Deutschland auf Reisen – Ausgaben auf Rekordniveau, Prioritäten im Wandel
22/06/2026
- Albanien +75 Prozent: Südosteuropas neuer Reise-Hotspot
- Mallorca-Showdown: Deutsche holen britische Touristen bei den Insel-Ausgaben ein
- Kreuzfahrtenboom: Mit +26 Prozent Ausgabenwachstum das dynamischste Segment
- „Snackification": Deutsche zahlen öfter – für viele kleine Erlebnisse
Frankfurt am Main, 22. Juni 2026 – Deutsche sind im Urlaub besonders ausgabenfreudig. Im Sommer 2025 gaben sie auf Reisen im Ausland 22 Prozent mehr aus als ein Jahr zuvor. Das zeigt eine Analyse anonymer Transaktionsdaten von Visa. Das Reiseverhalten ändert sich: Urlauber sind spontaner, suchen gezielt Erlebnisse und zahlen häufiger digital.
„Die Reiselust bleibt hoch. Unsere Daten zeigen: Deutsche investieren gezielt in das, was einen Urlaub unvergesslich macht: Erlebnisse, Begegnungen und Genuss“, kommentiert Tobias Czekalla, Deutschlandchef von Visa. „Gleichzeitig entdecken sie neue Destinationen und zahlen dabei immer selbstverständlicher digital.“
Klassiker vorn, neue Hotspots boomen
Besonders die Eurozone profitiert: Hier stiegen die Ausgaben im Sommer um 23 Prozent. Klassiker wie Italien, Frankreich und Österreich bleiben führend im deutschen Reiseranking. Gleichzeitig gewinnen neue Destinationen an Bedeutung. An der Spitze steht Albanien mit einem Plus von 75 Prozent. Auch Kosovo sowie Bosnien und Herzegowina wachsen stark. Südosteuropa etabliert sich damit als aufstrebende Reiseregion.
Mallorca bleibt eines der wichtigsten Reiseziele der Deutschen – und ist Schauplatz eines engen Rennens um die größten Ausgabenanteile. 2024 führten Besucher aus dem Vereinigten Königreich mit 24 Prozent der touristischen Ausgaben auf der Insel. Im Sommer 2025 holten die Deutschen deutlich auf und liegen nun gleichauf an der Spitze.
Trotz ähnlicher Gesamtanteile unterscheidet sich das Ausgabeverhalten klar: Britische Reisende sind die klaren Ausgabenkönige der Gastronomie. Deutsche Urlauber hingegen geben besonders viel im Einzelhandel aus: Rund jeder dritte Euro fließt in Einkäufe.
Bei Fernreisen dominieren weiterhin klassische Ziele wie die USA, Kanada, Japan sowie Indonesien und Thailand. Den stärksten Zuwachs verzeichnete 2025 Japan: Mit einem Anstieg der Ausgaben um 59 Prozent katapultiert sich das Land zum wichtigsten Wachstumstreiber im Fernreisesegment.
Der Ferienfaktor & der Kreuzfahrtboom: Wann und wie wir reisen
Innerhalb Europas konzentriert sich die Nachfrage stark auf die Schulferien. In der reisestärksten Woche liegen die Transaktionen mehr als doppelt so hoch wie in einer typischen Vorsommerwoche. Bei Fernreisen verteilen sie sich dagegen deutlich gleichmäßiger über das Jahr.
Auch die Wahl der Verkehrsmittel wandelt sich. Flüge bleiben der größte Kostenfaktor, doch Bahn und Kreuzfahrt gewinnen deutlich an Bedeutung. Kreuzfahrten verzeichnen mit rund 26 Prozent das stärkste Ausgabenwachstum und entwickeln sich zum dynamischsten Segment. Am Reiseziel nutzen Deutsche zunehmend Bus und Bahn – ein Hinweis auf eine steigende Nachfrage nach flexiblen und nachhaltigen Mobilitätsangeboten.
Daten räumen auf mit alten Vorurteilen über deutsche Reisende
Gleichzeitig verändert sich das Reiseverhalten der Deutschen grundlegend. Der lange Zeit typische, „minutiöse Planer“, der alles Monate im Voraus festzurrt, verliert an Bedeutung. Stattdessen agieren viele Reisende spontaner und flexibler vor Ort. Ein Indikator dafür ist die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs:
Die entsprechenden Transaktionen stiegen 2025 um 24 Prozent und sprechen für kurzfristige Entscheidungen und individuelle Entdeckungstouren.
Auch das Klischee des „knausrigen Sparers“ greift nicht. Im Durchschnitt geben deutsche Urlauber pro Tag und Karte 70 Euro aus. Für Unterkünfte investieren sie mit durchschnittlich 162Euro pro Buchung überdurchschnittlich viel – und liegen damit über dem Niveau vieler anderer europäischer Reisender.
„Snackification“ – Urlaub als Summe kleinerer Ausgaben und besonderer Momente
Erlebnisse und spontane Ausgaben prägen das Reiseverhalten zunehmend. Deutsche Urlauber investieren verstärkt in Gastronomie, Kultur und Aktivitäten. Ausgaben für Restaurantbesuche, Museen, geführte Touren und Souvenirs wachsen am stärksten – teils um mehr als 27 Prozent. Für viele steht damit nicht mehr der klassische Strandurlaub im Mittelpunkt, sondern das Gesamterlebnis vor Ort.
Gleichzeitig fragmentieren sich die Ausgaben. Das Urlaubsbudget verteilt sich stärker auf viele kleinere, situative Zahlungen – vom Cafébesuch bis zum Souvenirkauf. Reisen wird so zur Summe zahlreicher Einzelmomente.
Auch beim Bezahlen beschleunigt sich der Wandel hin zu digitalen Lösungen. Kontaktloses Bezahlen ist inzwischen Standard. Besonders mobile Bezahlmethoden legen deutlich zu. Deutsche Reisende zahlen damit im Urlaub immer selbstverständlicher digital – unabhängig von der Höhe des Betrags.
Tobias Czekalla von Visa ordnet ein: „Unsere Daten machen nachvollziehbar, wie sich Reise- und Ausgabenverhalten verändern. Für Destinationen und touristische Anbieter eröffnen sich daraus konkrete Chancen: Wer diese Entwicklungen früh erkennt und sein Angebot entsprechend ausrichtet, kann überproportional vom Wachstum profitieren.“
Über den Visa Daten-Report
Der Report basiert auf aggregierten und anonymen Transaktionsdaten von hunderten Milliarden Visa Zahlungen weltweit. Die Analyse umfasst Zahlungsströme aus den Sommermonaten Juni bis August 2024 und 2025, ergänzt durch Vergleichsdaten aus weiteren Zeiträumen dieser Jahre sowie aus 2023. Berücksichtigt wurden ausschließlich Transaktionen an stationären Verkaufsstellen. Alle angegebenen Wachstumsraten sind nominal.
Den vollständigen Report finden Sie hier.